Der Darm und die heutigen Lebensmittel

Viele unserer heutigen Ernährungstheorien beruhen auf Erfahrungen von vor 100 oder mehr Jahren. Vieles wird gelehrt, übernommen, abgeschrieben. Selten werden diese Ernährungsdogmen auf ihre Richtigkeit überprüft.
Ein schönes Beispiel ist der Spinat (ein tolles Gemüse, auf seine Art). Jahrzehntelang mussten alle Kinder diese grüne, zerkochte Pampe essen, weil sie ja Unmengen von Eisen enthält.
Irgendwann hat man bemerkt, daß ein Ernährungswissenschaftler beim Abschreiben das Komma beim Eisenwert versehentlich um ein paar Stellen versetzt hat. Seitdem war der Spinat der Eisenchampion. Mit ein bißchen gesundem Menschenverstand hätte auffallen müssen, daß Spinat bei so einem Eisengehalt eigentlich rosten müsste.

Aber auch Ernährungsformen oder -therapien, die vor 100 Jahren noch hervorragend funktionierten und ein echter Segen waren, funktionieren heute so nicht mehr.
Ein schönes Beispiel ist die Semmel-Milch-Kur nach F.X.Mayr. Extrem erfolgreich vor 120 Jahren. Heute verträgt kaum noch ein Darmkranker Milch oder Weizenbrötchen (die Diät wurde den heutigen Umständen angepasst).

Warum funktionieren einstmals erfolgreiche Ernährungsstrategien nicht mehr?

Auch hier ist die Antwort leicht zu finden. In den 1950er Jahren wurden in Oberfranken 40 Doppelzentner Weizen pro Hektar geerntet, heute sind es mehr als doppelt so viel, vom gleichen Hektar Land.
Wie das geht? Ganz einfach:
Neue Züchtungen von Weizen, neue Erkenntnisse aus der Genetik, noch mehr Kunstdünger, noch mehr Pestizide. Aber immer noch der gleiche Boden, aus dem alles wachsen muß.
Das hat zur Folge, daß die Böden total ausgelaugt sind, alle natürlichen Nährstoffe sind lange aufgebraucht. In dem Weizen steckt nur noch das, was der Bauer als Kunstdünger auf das Feld geworfen hat. Na ja nicht ganz, ein bunter Cocktail aus Insektiziden, Fäulnishemmern und Crop-Science ist auch noch drin, von Genmanipulation ganz zu schweigen.
Kein Vergleich zu Feldern, die natürlich gedüngt wurden, nur ein Viertel des Ertrages bringen mußten und mit jährlich unterschiedlichen Feldfrüchten bestellt wurden.

Dieses Beispiel läßt sich auf praktisch alle Lebensmittel übertragen. Es ist die logische Folge des Übergangs von Nahrungsmittelanbau zur Nahrungsmittelproduktion.
Gleiches gilt für die Tierhaltung.
Fragen Sie doch mal einen Fleischproduzenten, welchen Namen Schwein 13495 hat. Bestenfalls kann er Ihnen sagen, was für wachstumsfördernde Zusätze das Kraftfutter enthält. Über Hormone, Antibiotika und Kortikoide redet man nicht so gerne.

Es gibt mittlerweile Autobahn-Tierärzte, die eigentlich nur ein großes, schnelles Auto brauchen, da ihre einzige Aufgabe darin besteht, Fleischproduzenten massenhaft mit Antibiotika zu versorgen, die die Tiere schneller wachsen lassen.
Während beim Menschen nur ein Arzt Antibiotika verabreichen darf, kann das bei Tieren jeder.
Und so bekommen Sie mit dem Fleisch auch gleich noch ein paar Medikamente kostenlos und frei Haus.

Theoretisch ist die Antibiotikagabe zur Wachstumsförderung zwar verboten, es kontrolliert jedoch keiner. Bei Stichproben in Nordrheinwestfalen durch ein Ministerium erwiesen sich 98% der untersuchten, bereits verkaufsfertigen Hühner als antibiotikabelastet!!!
Folgen für die Produzenten: Keine.
(Das stimmt nicht ganz, denn mit Antibiotika ist ein Huhn nach 35 Tagen schlachtreif, ohne Antibiotika erst nach 45 Tagen, schnelles Geld für den Produzenten!)

Folgen für den Konsumenten (das sind zum Beispiel Sie):
Unkontrollierte Antibiotikabelastung mit allen schädlichen Auswirkungen auf die Darmflora, gleichzeitig gewöhnen sich die Bakterien an die Antibiotika und werden von denen nicht mehr abgetötet.
Willkommen in der Welt der immer stärker werdenden Antibiotika und Bakterien.
Sollten Sie mal multiresistente Krankenhauskeime bekommen, bedanken Sie sich bitte auch bei Ihrem Fleischproduzenten und Minister für Verbraucherschutz!

Die Nahrungsmittelqualität hat sich im Vergleich zur Vergangenheit drastisch verschlechtert. Noch ein Beispiel: Der beste heutige Biospinat enthält grade mal 20% der Mineralien und Spurenelemente, wie sein Vorfahre aus den 50er Jahren.

Und 60% der heutigen Lebensmittel hat es vor 10000 Jahren noch nicht gegeben – na ja, Tiefkühlpizza wäre in der Eiszeit schon frisch geblieben, aber wo hätte man den Stecker der Mikrowelle reinstecken sollen?

Gleichzeitig hat sich unsere Lebensweise radikal geändert. In den 60er Jahren brauchte es noch 25 Leute, um ein Auto zu bauen, heute schaffen das 7 in einem Drittel der Zeit.
Die meisten Menschen sitzen heute am Schreibtisch, arbeiten viel zu lange und schaffen trotzdem nicht die ganze Arbeit. Das führt zwangsläufig zu Frustration, Bewegungsmangel und Fast-Food.

Das Ergebnis können Sie in jeder Straßenbahn zur Rush Hour bewundern.

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